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Dissoziativum

Ein Dissoziativum (Plural: Dissoziativa) ist eine psychoaktive Substanz, die eine halluzinogene und dissoziative Wirkung entfaltet.[1] Die Wirkung beruht anders als bei Psychedelika unter anderem auf antagonistischer Aktivität an NMDA-Rezeptoren.[2][3]

Dissoziative Substanzen

Bekannte dissoziative Drogen sind u. a. DXM, Ketamin, MXE, Lachgas, PCP und 3-Methoxyphencyclidin.[2] Das in Salvia divinorum enthaltene Salvinorin A ist ein atypisches Psychedelikum mit dissoziativen Eigenschaften, wird jedoch nicht zu den Dissoziativa gerechnet.[4][5]

Pharmakologische Mechanismen

Die genauen Wirkungsmechanismen sind weitgehend unbekannt. Bei den meisten Dissoziativa ist eine antagonistische Aktivität an NMDA-Rezeptoren und dort typischerweise nicht-kompetitiv durch Blockieren von Ionenkanälen feststellbar. Eine Ausnahme stellt das Salvinorin A dar, das ein Agonist am K-Opioid-Rezeptor mit kurzer Wirkungsdauer ist.[5]

Toxikologie

Einige (kanalblockierende) NMDA-Antagonisten rufen im Tierversuch Gehirnschäden hervor. John W. Olney beschrieb die neurologischen Schäden als „kleine Löcher“ in bestimmten Bereichen des Gehirns. Sie werden im Englischen Olney’s Lesions (deutsch: Olneys Läsionen) oder NMDA Antagonist Neurotoxicity (NAN) genannt. Diese Gehirnschäden sollen sich vorwiegend in Lern- und Gedächtnisschwierigkeiten äußern. Inwieweit man die Versuchsergebnisse auch auf Menschen übertragen kann, ist noch nicht geklärt. Stichhaltige wissenschaftliche Studien an Dissoziativakonsumenten gibt es wegen grundsätzlicher instrumenteller Schwierigkeiten nicht.

Literatur

  • F. Betzler, T. Majić: Dissoziativa. In: M. von Heyden, H. Jungaberle, T. Majić (Hrsg.): Handbuch Psychoaktive Substanzen. (= Springer Reference Psychologie). Springer, Berlin/ Heidelberg 2018, ISBN 978-3-642-55125-3, S. 683–699, doi:10.1007/978-3-642-55125-3_48.
  • H. Morris, J. Wallach: From PCP to MXE: a comprehensive review of the non-medical use of dissociative drugs. In: Drug testing and analysis. Band 6, Nummer 7–8, Jul–Aug 2014, S. 614–632, doi:10.1002/dta.1620. PMID 24678061 (Review).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. A. J. Giannini, R. H. Loiselle, M. C. Giannini, W. A. Price: Phencyclidine and the dissociatives. In: Psychiatric medicine. Band 3, Nummer 3, 1985, S. 197–217, ISSN 0732-0868. PMID 2893430.
  2. a b Richard K. Ries, Shannon C. Miller, David A. Fiellin: Principles of addiction medicine. Lippincott Williams & Wilkins, 2009, ISBN 978-0-7817-7477-2, S. 231ff.
  3. Jan Dirk Blom: A Dictionary of Hallucinations. Springer Science & Business Media, 2009, ISBN 978-1-4419-1223-7, S. 148f.
  4. Henry R. Kranzler, Domenic A. Ciraulo, Leah R. Zindel: Clinical Manual of Addiction Psychopharmacology. 2. Ausgabe. American Psychiatric Pub, 2014, ISBN 978-1-58562-528-4, S. 268.
  5. a b K. A. MacLean, M. W. Johnson, C. J. Reissig, T. E. Prisinzano, R. R. Griffiths: Dose-related effects of salvinorin A in humans: dissociative, hallucinogenic, and memory effects. In: Psychopharmacology. Band 226, Nummer 2, März 2013, S. 381–392, doi:10.1007/s00213-012-2912-9. PMID 23135605, PMC 3581702 (freier Volltext).


Quelle: Wikipedia
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