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Hemianopsie

Klassifikation nach ICD-10
H53.4 Gesichtsfelddefekte
-heteronyme Hemianopsie
-homonyme Hemianopsie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Hemianopsie oder Hemianopie (von griech. hemi „halb“, a „nicht“ und ops „sehen“ – Synonym: Halbseitenblindheit) wird ein, häufig durch die senkrechte Mittellinie begrenzter, halbseitiger Gesichtsfeldausfall genannt, der meist beidseitig, selten jedoch auch nur einseitig auftritt.

Man unterscheidet bei beidseitigen Ausfällen

Normales Gesichtsfeld
homonyme Hemianopsie, nach links
heteronyme, binasale Hemianopsie
heteronyme, bitemporale Hemianopsie


Lokalisation der Störung und daraus resultierender GF-Ausfall

Ursache ist eine Läsion im Verlauf der Sehbahn. Die Art der Hemianopsie erlaubt einen Rückschluss auf den Ort der Störung. Liegt diese kurz vor dem Chiasma opticum, kann der Gesichtsfeldausfall einseitig auftreten,[1][2] ansonsten beidseits. Ihre Benennung erfolgt nach der Richtung des Gesichtsfeldverlustes. Ein temporaler (seitlicher) Gesichtsfelddefekt beispielsweise bedeutet also den Ausfall der nasalen (zur Nase gewandten) Retinahälften des Auges, weil die Lokalisation nasaler Netzhautareale nach temporal erfolgt und umgekehrt. Etwa 10 % der Hemianopsien betreffen lediglich obere oder untere Quadranten des Gesichtsfeldes. Zudem können Hemianopsien mit einer zentralen, macularen Aussparung einhergehen. Ihr Nachweis ist wegen der meist geringen Größe (etwa 1°) zwar schwierig, ihre Bedeutung für die Identifikation occipitaler Ursachen jedoch erheblich.[3]

Von der Hemianopsie abzugrenzen ist der visuelle Neglect, bei der eine Störung der Aufmerksamkeitszuwendung zu einer Seite vorliegt. Betroffene Patienten erleiden diese Form des Neglects in der Regel aufgrund einer Schädigung des Gehirns der Gegenseite. Die Sehbahn muss von der Läsion nicht direkt betroffen sein.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Dieter Schmidt: Hemianopsie, monokulare temporale. In: Dieter Schmidt: Tipps und Tricks für den Augenarzt. Problemlösungen von A – Z. Springer Medizin, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-48717-3, S. 192–193, doi:10.1007/978-3-540-48718-0_77 .
  2. Hans-Henning von Albert: Vom neurologischen Symptom zur Diagnose. Differentialdiagnostische Leitprogramme. 5. Auflage. Springer, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-41811-3, S. 114.
  3. Theodor Axenfeld (Begründer), Hans Pau (Hrsg.): Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von Rudolf Sachsenweger u. a. 12., völlig neu bearbeitete Auflage. Gustav Fischer, Stuttgart u. a. 1980, ISBN 3-437-00255-4, S. 418.

Literatur

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Quelle: Wikipedia
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