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Manie

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Manie (Begriffsklärung) aufgeführt.
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Klassifikation nach ICD-10
F30.0 Hypomanie
F30.1 Manie ohne psychotische Symptome
F30.2 Manie mit psychotischen Symptomen
F30.8 Sonstige manische Episoden
F30.9 Manische Episode, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Eine Manie (von altgriechisch μανία maníā ‚Raserei‘, ‚Wut‘, ‚Wahnsinn‘) ist eine affektive Störung, die meist phasenweise verläuft. Antrieb und Stimmung sind in einer Manie weit über dem Normalniveau. Die Manie ist in ihrer Entstehung und Aufrechterhaltung multifaktoriell bedingt. Heriditäre und psychosoziale Belastungen, Störungen im Serotonin-, Katecholamin- und GABA-Stoffwechsel werden als Faktoren angeführt. In einer Manie reduziert sich der Schlaf und es kommt zu einer Überanstrengung von Gehirnbereichen, wodurch dann, wenn es nicht zu einer Behandlung kommt, psychotische Symptome ausgelöst werden können.

Symptome und Zeichen

In vielerlei Hinsicht kann man eine Manie als das „Gegenteil einer Depression“ bezeichnen. Typische Symptome sind beispielsweise:

Der Antrieb und die Stimmung sind weit übernormal – mitunter bis ins äußerste Extrem gehoben – am Limit. Übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Dingen ist typisch; fanatisch und exzessiv wird ein Teilbereich ausgeübt, während andere, oft wichtigere Dinge, völlig vernachlässigt werden. Häufig geben die Betroffenen mehr und schneller Geld aus als üblich. Mitunter werden von Erkrankten während einer Manie aufgrund ihrer Größenideen sogar massenweise Geschäfte getätigt, die für die Betroffenen und ihre Angehörigen sehr unangenehme Folgen wie hohe Verschuldung haben können. Die Libido ist gesteigert, die Geselligkeit und die Gesprächigkeit ebenso, die Betroffenen können allerdings auch völlig enthemmt werden, die Kontrolle über sich selbst verlieren. Selbst wenn sie dies noch wahrnehmen, verausgaben sie sich völlig, obwohl ihnen bewusst ist, dass dies schädliche Folgen haben kann.

Das Gesamtbild einer Manie unterscheidet sich von Fall zu Fall, oft auch von Episode zu Episode bei einem einzigen Patienten. Man kann zwischen der klassischen Manie (mit einer im Vordergrund stehenden Antriebssteigerung und gehobener Stimmung) und der gereizten Manie (mit zornig-gereizter Stimmung) unterscheiden. Bei extremer Beschleunigung von Denken und Sprechen ist eine verworrene Manie möglich, ein Krankheitsbild, das einem Verwirrtheitszustand, wie er bei hirnorganisch bedingten psychischen Störungen vorkommt, sehr ähnlich sein kann. Eine Manie kann je nach Ausprägung für den Betroffenen und die Angehörigen sehr belastend sein und schwerwiegende soziale Folgen haben. Den von der Manie Betroffenen wird dies erst bewusst, wenn die Manie abgeklungen ist. Es kommt dann nicht selten zu schweren Schamgefühlen.

In der Manie zeigen Patienten oft völlig unangepasstes, distanzloses Verhalten: beispielsweise werden fremde Leute einfach angesprochen und in Gespräche verwickelt, die weit jenseits gesellschaftlicher Konventionen liegen. In Gaststätten werden Lokalrunden ausgegeben, Geld und Wertgegenstände werden an Fremde verschenkt; häufig kommen auch sexuell anzügliche Verhaltensweisen sowie häufige und wahllose sexuelle Kontakte mit fremden Personen vor. Freunde und enge Angehörige, der Ehepartner usw. können den Betroffenen nicht von diesen Verhaltensweisen abhalten, ein Maniker lässt sich kaum oder nicht bremsen oder belehren. Heftige Streitigkeiten mit lautstarken und schweren Beleidigungen gegenüber nahestehenden Personen sind dann meist die Folge. Alle diese Handlungen können völlig persönlichkeitsfremd sein.

An einer Manie Erkrankte haben während der manischen Phase typischerweise keinerlei Krankheitseinsicht; sie kommen sich nicht krank vor, sondern „fühlen sich blendend“. Angehörige oder Experten der Krankheit hingegen vermögen die Krankheit zu erkennen. Wenn die Phase abgeklungen ist, sitzen die Erkrankten vor einem großen Scherbenhaufen und sind voller Schamgefühle wegen ihres Verhaltens. Aufgrund der Selbstüberschätzung kann es auch zu selbstgefährdendem Verhalten bis hin zum Suizid kommen; seltener besteht eine Fremdgefährdung, welche durch die gesteigerte Kraft, Ausdauer und Widerstandsfähigkeit (etwa gegenüber manchen Beruhigungsmitteln) akuter Maniker noch potenziert werden kann.

Neben reinen Manien kann auch eine gemischte Phase (Mischzustand) auftreten: Neben manischen kommen dann auch depressive Symptome vor: Meist hat man dann die Getriebenheit der Manie mit dem schlechten Gefühl der Depression, in diesem Zustand spielt Suizidalität eine große Rolle.

Formen

Am häufigsten ist die bipolare Verlaufsform der Manie, auch als manische Depression bekannt. Dabei sind die manischen Phasen in der Regel kürzer als depressive Phasen; erstere dauern normalerweise einige Wochen, letztere eher einige Monate. Jedoch verlaufen diese Phasen bedeutend kürzer, wenn der Kranke mit Medikamenten und/oder durch Psychotherapie behandelt wird.

Deutlich seltener ist die Verlaufsform mit ausschließlich manischen Episoden.

Ein großes Problem besteht darin, dass zwischen Ausbruch der Krankheit und der richtigen Diagnose (z. B. bei vorher vorhandenen Hypomanien) oft zu viel Zeit vergeht, bis eine angemessene Behandlung erfolgt. Es gibt Hinweise dafür, dass – wenn vorher bereits viele Krankheits-Episoden stattgefunden haben – die Phasen dazwischen kürzer werden, und die Ausbrüche heftiger werden können. Mitunter können sie dann auch durch Medikation nicht ganz verhindert werden und zudem können Residualzustände verbleiben.

Eine abgeschwächte Verlaufsform einer Manie, die allerdings immer noch deutlich über den Normalschwankungen liegt, bezeichnet man als Hypomanie.

Ursachen

Man geht derzeit von einer vorübergehenden Störung der Neurotransmitter im Gehirn aus. Auch wurden bis jetzt vier Gene lokalisiert, die für die bipolare Störung relevant sind (manisch-depressive Krankheit). Allerdings können diese auch bei Nichterkrankten in ebensolcher Weise verändert sein, so dass noch andere Komponenten dazu kommen müssen, um bipolar – manisch und depressiv – zu werden.

Die Auslöser krisenhafter Krankheits-Episoden sind oft bedeutende Ereignisse im Leben wie zum Beispiel eine Hochzeit, Scheidung oder ein Stellenwechsel. Verlusterfahrungen wie Tod eines nahen Angehörigen, Zerbrechen einer Beziehung, Arbeitslosigkeit etc. sind ebenfalls stressende Ereignisse, die bei Disposition für diese Krankheit Episoden auslösen können. Episoden der Krankheit können aber auch ohne äußere Ursachen auftreten.

Die genauen Ursachen sind bisher nicht geklärt und sind Gegenstand intensiver Forschung. Aus physiologischer Sicht scheint es sich um eine körpereigene jedoch unkontrollierte Immunreaktion gegen die Depression zu handeln, denn in seichter Form würde man die manischen Aktivitäten einem depressiv Erkrankten durchaus auch als Verhaltensweise verordnen wie lediglich erhöhte Aktivität und mehr Selbstbewusstsein etc.

Behandlung

Zur Behandlung einer akuten Manie werden Lithiumpräparate, Antiepileptika oder atypische Neuroleptika eingesetzt. Letztere vermindern die Wirkung verschiedener Neurotransmitter, insbesondere Dopamin und Serotonin, und werden zunehmend in der Therapie verwendet. Die Wirkungsweise von Lithium oder Antiepileptika, wie Valproinsäure ist weit weniger erforscht, dennoch besitzen sie eine deutliche antimanische Wirkung. Je nach Schwere und Ausprägungsgrad der Erkrankung kommen auch Kombinationen der oben genannten Medikamente zum Einsatz. In der Akutphase der Erkrankung können Sedativa hilfreich sein, um die Erregung der Patienten zu dämpfen oder ihnen Schlaf zu ermöglichen. Zu diesem Zweck werden meist Benzodiazepine oder schwachpotente Neuroleptika eingesetzt.

Prophylaxe

Lithiumsalze wie z. B. Lithiumcarbonat, aber auch Carbamazepin, Valproat und Lamotrigin wirken außerdem phasenprophylaktisch, d. h. sie verringern die Wahrscheinlichkeit des Auftretens erneuter Krankheitsschübe und können sie teilweise gänzlich verhindern. Voraussetzung ist die langfristige Einnahme.

Bewährt hat sich auch eine auf die Krankheit abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie oder eine Psychoedukation. Vor allem kann man lernen, Frühwarn-Symptome bei sich zu erkennen und durch antimanisches Verhalten wie etwa Reizabschirmung und konsequentere Beibehaltung von Strukturen wie Schlafenszeiten gegenzusteuern. Geschieht dies rechtzeitig, kann man eventuell eine Phase verhindern oder abschwächen. Eine zusätzliche Medikation wird meist empfohlen.

Umgang mit Erkrankten

Der Umgang mit Menschen, die sich in einer manischen Phase befinden, kann sehr anstrengend sein; häufig sind die Angehörigen nach kurzer Zeit am Ende ihrer Kräfte.

Da viele Betroffene wenig oder keine Krankheitseinsicht zeigen, bleibt manchmal nur eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Einrichtung. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch eine richterlich bestätigte, akute Eigen- oder Fremdgefährdung entsprechend den Vorgaben der länderspezifischen PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetz).

Nach einer Zwangseinweisung, die aus medizinischer Sicht vor allem auch einer Abschirmung des Erkrankten vor stimulierenden Reizen dienen soll, kann es im äußersten Fall zu einer Zwangsbehandlung des Erkrankten kommen. Eine Zwangsbehandlung eines psychisch Kranken darf jedoch ausschließlich in stationären psychiatrischen Einrichtungen erfolgen, sie muss von einem Richter und nach Möglichkeit auch von einem zweiten Arzt genehmigt sein.[1]

Es gibt jedoch durchaus auch Betroffene, die in manischen Phasen ihre Krankheitseinsicht behalten aber trotzdem ein übersteigertes Maß an Produktivität zeigen. Vielen Künstlern wird beispielsweise eine bipolare Erkrankung nachgesagt. In solchen Fällen ist es dann wichtig, dass der Erkrankte neben einer angepassten Medikation vor allem eine ausgewogene Tagesstruktur erhält und ausgiebig schläft. Eine übersteigerte Fixierung des Erkrankten, beispielsweise auf ein berufliches Projekt, kann sich negativ auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirken.

Wenn der Erkrankte Krankheitseinsicht zeigt kann auch eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt werden (Psychoedukation und Verhaltenstherapie). Eine weitere Betreuung durch einen Facharzt und eine regelmäßige Medikamenteneinnahme sind jedoch unbedingt notwendig.

Bei plötzlichem Einstellen der Medikation können Kältegefühl und Schüttelfrost auftreten. Zudem können Betroffene durch das zu frühe und zu schnelle Absetzen der Medikamente in einen schlimmen Mischzustand geraten, in dem die Selbst- und Fremdgefährdung am höchsten ist. Außerdem geraten sie dadurch nicht selten in einen schweren Rückfall, der dann nochmals einen Klinikaufenthalt von Wochen bis Monaten notwendig macht.

Leben mit der Manie

Bei Krankheitseinsicht des Betroffenen, einem geregelten und stressreduzierten Leben, regelmäßiger Medikation und Aufarbeiten von Problemen in der Psychotherapie kann dieser durchaus ein vollkommen normales Leben führen. Allerdings gehört die manisch-depressive Krankheit (Bipolare Störung, eine solche ist so gut wie immer bei Manie vorhanden) zu den zehn Krankheiten, die weltweit am meisten zu lebenslanger Behinderung beitragen. Das weit erhöhte Suizidrisiko weist darauf hin, dass für Betroffene das Leben oft unerträglich ist, sofern es zu weiteren Ausbrüchen der Krankheit und damit einhergehend depressiver Phasen kommt.

Wenn er die Anzeichen einer beginnenden Manie kennt, kann der Betroffene mitunter rechtzeitig durch sein Verhalten (sofortiger Facharztbesuch, evtl. zusätzliche Medikamente, ausreichend Schlaf, Stressabbau) gegensteuern, so dass eine ausgeprägte Manie gar nicht erst wieder entstehen muss.

Für die Betroffenen ist eine Manie immer eine überwältigende Erfahrung und kann wie eine Art Erleuchtung erlebt werden, so dass sich daraus etwas entwickelt wie eine „Verliebtheit“ in die Manie oder eine Sehnsucht nach der Manie, besonders wenn man um den unangenehmen Zustand einer tiefen Depression weiß.

Umso wichtiger ist darum die Erkenntnis der eigenen Begrenztheit und Endlichkeit, auch ein Annehmen des Durchschnittlichen und Unauffälligen, denn fast immer kommt nach einem Ausschlag in Richtung Manie eine Depression. So kann durch ein Bestreben, die Pendelausschläge geringer zu halten, eine Linderung des Leidens erfolgen, was ein Argument für eine Zielvorgabe in Richtung „Durchschnittlichkeit“ sein kann.

Es ist hilfreich, wenn der Patient die Manie als einen Teil von sich selbst ansieht. Es ist im Charakter meist schon vor Ausbruch der Manie angelegt, dass diese Menschen sehr schnell für Neues zu begeistern sind und es gibt mitunter eine „manische Aussage“ für das, was im Leben zu kurz gekommen ist, was man vielleicht mehr integrieren müsste ins Leben. Allerdings kann das Verhalten von Manikern in der Manie auch völlig wesensfremd sein.

Wenn sich Betroffene an die Medikation halten und außerdem bei Frühwarnanzeichen durch ihr Verhalten gegensteuern, können neue Ausbrüche verhindert oder abgeschwächt werden. Hat man davor mehrere Phasen durchgemacht können allerdings Residualsymptome verbleiben, und die Prognose wird nach mehr und mehr Phasen schlechter.

Mit Manien und der bipolaren Störung sind oft Kreativität und hohe Schaffenskraft verbunden, viele Kreative, Schriftsteller, Musiker und Künstler litten und leiden an dieser Störung. Näher wird dies im Artikel über bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankungen) ausgeführt, worunter die Manien als typische Episoden gezählt werden. Insbesondere in der Hypomanie kann viel erreicht werden, mit stimmungsstabilisierender Medikation die Kreativität als ein positiver Aspekt der Krankheit bewahrt werden.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. http://www.taz.de/!113305/

Literatur

Weblinks

 Wiktionary: Manie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Quelle: Wikipedia
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